Wie alles begann

oder: Der Wahnsinn hat mich eingeholt...

1.Kapitel:  Auf die Knie Hausi

Tja, Freunde des salzigen Hobbys. Nun sitze  ich hier und denke darüber nach wie es eigentlich begonnen hat.
Hätte ich  hellsehen können, wahrscheinlich wäre ich schreiend davon gelaufen und der  Begriff: “ Auswanden” hätte eine völlig neu Bedeutung bekommen.


Wie  war das damals und wie sind wir eigentlich auf die Idee gekommen mit diesem  verrückten Hobby Meerwasser - Aquaristik anzufangen? Ehrlich gesagt, kann ich  mich nicht so wirklich an alles genau erinnern.

Zu viel ist in der  Zwischenzeit passiert: Gutes und schlechtes und manches davon hat nichts mit  Meerwasser zu tun, hat mich aber hart getroffen. Zum Beispiel der Preisanstieg  für Schweineschnitzel... Aber das ist ein anderes Thema.


Beginnen wir  also mit unserer kleinen Geschichte an dem Tag der so harmlos begann und den ich  verbrachte wie ich es gewohnt war, mit Blasen zählen.


Stellt Euch  einfach folgende Situation vor:
Ein Donnerstagnachmittag bei Petra und  Hausi. Tatort Wohnzimmer. Hausi kniet, wie er das seit Wochen jeden Tag macht,  auf dem Teppich. Nein, nicht gegen Mekka sondern in Richtung Aquarium. Das  Mistding von Co2 Anlage musste mal wieder eingestellt werden und das bedeutet:  Blasen zählen und damit auch: Dicke Knie! Denn leider stehen diese Anlagen  irgendwie immer ganz unten. Nun gut: 1-2-3-4-5-6-7..... Mist, schon verzählt, wie  viele sollten das jetzt noch sein?
Da ging die Tür auf! Petra war endlich zu  Hause und so gab es eine willkommene Unterbrechung der Zählorgie.


Petra:  Na, wie ist der Zählerstand  

Hausi:   Außer Blasen an den  Knien ist nicht viel dabei herausgekommen.

Petra: Du, ich war heute mal in  einem Meerwasserladen, dass ist ja toll, so schöne Korallen und Fische, dass  hast Du noch nicht gesehen.

Hausi:  Ne wie den auch, den Kopf im  Unterschrank und Blasen zählen, da ist die Aussicht nicht die beste.

Ich konnte jammern was ich wollte: Mitleid? Fehlanzeige! Das hätte mich  damals warnen müssen, denn wenn es erst einmal soweit ist, dann ist es schon zu  spät. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass sie vielleicht vergisst, dass ich  noch nicht fertig war mit dem einstellen der Blasen, konnte ich mein unsagbares  Leid vergessen und lauschte, was es da noch zu berichten gab.


Petra:   Es gibt jetzt auch so ganz kleine Aquarien, Nano nennt man so was. Die haben  nur ein paar Liter und man kann es trotzdem schon als Meerwasser-Becken  einrichten.

Hausi:  so, so.

Petra:  Ja, ja  und ein Buch hab ich auch mal  bestellt und ein Forum gibt es auch, die beschäftigen sich nur mit solchen  Becken. Da gibt es tolle Bilder und jede Menge zu lesen. Musst Du dir echt mal  ansehen “und dann der Hammer:”  Ich geb Dir mal den Link zum Forum... aber erst  wenn Du Blasen gezählt hast,

 Arrggghh.....


Am selben Abend, der  Pizza - Bringdienst war schon lange wieder weg, saßen sie beide vor Ihren PCs.  Links Petra mit Lara Croft und rechts Hausi. Der hatte allerdings Spielverbot  und war stattdessen im besagten Nano - Forum unterwegs.
Nun muss man  wissen, dass damals dieses Forum mehr oder weniger tatsächlich von Japanern  dominiert wurde. Anscheinend hatte die schon längere Erfahrung mit Meerwasser  gefüllten Einmachgläsern. Klar, dass Hausi diese Tatsache nicht ohne Kommentar  lassen konnte.

Hausi: Hör mal Lara... ääh Petra, kein Wunder bei so kleinen  Leuten wie die Japaner, dass die Becken auch so klein sind. Die bräuchten ja  sonst eine Leiter wenn sie Wasser nachfüllen müssen.


Allerdings hatte ich  da keine Chance auf eine Antwort denn: Gerade vollführten Petra und Lara einen  dreifachen Salto, zogen gleichzeitig Ihre Waffen, ballerten einen fetten  Höhlenbären von der Platte.... Waffen wieder weg und landeten auf einem 5 cm  breiten Sims, zogen sich mit einem beherzten Sprung an der Kante einen Felsens  hoch, uff, gerettet..... Der Hausi ehr nicht!

Denn es kam wie es kommen  musste: Für den nächsten Tag, war ein Besuch in einem Meerwasser Fachgeschäft  geplant, wo ich doch lieber an einer Führung durch eine Fleischerei teilgenommen  hätte. Da aber die Aussicht bestand, keine Blasen zählen zu müssen, war ich auch  damit einverstanden.
Was da aber passierte und warum der Meerwasser -  Fachmann geschwankt hat..... zwischen Lach- bzw. Weinkrämpfen, dass erzähle ich  Euch im nächsten Kapitel.
Ich muss nämlich erst mal auf die Knie.... der  Abschäumer muss geleert werden.

2.Kapitel: Beim ersten Mal ist alles anders.




Irgendwann war er zu Ende gegangen, der Abend an dem zum  ersten mal das Wort Nano gefallen war und ein neuer Tag war gekommen.
Heute  gab es nur ein Ziel zu erreichen: Das Meerwasser - Geschäft.

Keine  Ahnung was ich mir darunter vorzustellen hatte, es sollte meine Premiere sein.  Nun gut, nach 10 Minuten erreichten wir den Laden, der äußerlich, durch ein  großes Schild, schon von weitem zu erkennen war.
Der restliche bauliche  Zustand veranlasste mich allerdings dazu, mit Petra einige Sicherheitstechnische  Fragen zu klären.



Hausi:  Du hör mal, wir sollten vorher noch  zum Baumarkt.

Petra: Was willst Du da, die haben keine Fische und Korallen  schon gar nicht

Hausi: Ne ne, zum einen brauchen wir 2 Schutzhelme und ein  Auswahl an Kanthölzern wäre auch nicht schlecht, ich würde die Bruchbude gerne  vorher noch ein wenig abstützen bevor wie die betreten.

Petra: Red keinen  Quatsch, das sieht nur so aus.

Hausi: Und zwei Seile zur Eigensicherung, dann  kann zur Not der eine den anderen aus den Trümmern ziehen!


Es half  nichts, Petra war so wild entschlossen, es gab kein Zurück. Es hätte die nächste  Warnung für mich sein müssen. Wie konnte es sein, dass sie unter Einsatz Ihres  und natürlich auch meines Lebens, dieses Risiko einer Geschäftsbesichtigung  eingehen wollte.
Wo war den das Schild: *Einsturzgefahr- Betreten der  Baustelle verboten - Eltern haften für ihre Kinder* Nichts! Auch kein Schild wie  man es an manchen Hauswänden findet, wenn Hunde nicht ins Geschäft dürfen, nur  eben so: *Hausis -“ Wir dürfen hier nicht rein!* Erst recht nicht!
Lange  Rede, kurzer Sinn: Plötzlich stand ich mitten im Laden.


Zugegeben,  schnell hatte ich vergessen, dass ich eigentlich im Türrahmen stehen bleiben  wollte, weil man dort vor herabstürzenden Trümmern immer noch am sichersten sein  sollte. Denn Freunde, es gab wirklich etwas zu sehen! Rings herum an den Wänden  zahlreiche Becken in den unterschiedlichsten Größen, in der Mitte ein  achteckiges Becken auf einem Beton-Sockel. Dann überall farbige “ Pflanzen ” im  Wasser und dann erst die schönen bunten Fische.


Wenn ich heute  darüber nachdenke, war das wohl der Moment, wo ich erstmals diesen salzigen  Geschmack am Daumen hatte. Gewusst habe ich das zu dem Zeitpunkt aber noch  nicht. Irgendwann hab ich dann auch verstanden, warum diese kleinen Händler Ihre  Geschäfte in solchen Häusern haben. Irgendwann war es mir völlig egal, in  welchen Ecken und Kellerlöcher ich schleichen musste. Irgendwann hatte ich  begriffen, dass es dort mehr zu sehen, zu erfahren und zu lernen gab, als in so  manchen
hellen, riesigen Zoo-Fachmärkten und dergleichen. Irgendwann! Aber  fragt mich nicht, wann genau. Es kam mehr oder weniger schleichend.


Zurück aber ins Geschäft. Zielstrebig hatte Petra jene Becken an der  Wand angesteuert, welche ich damals, auf Grund ihrer Größe, zuerst für  Glasbausteine gehalten hatte. Wie sich zu meinem Erstaunen herausstellte, lebte  es in diesen Steinen aber. Um Petra nicht zu enttäuschen, wandte ich mich von  den großen Fischbecken, an denen ich mich inzwischen festgesaugt hatte, ab und  trat mal etwas näher um zu erfahren was sie denn da so interessierte.

Hausi:  Sag mal Petra. Warum sind denn hier die Grashüpfer rot und leben unter  Wasser?

Petra, mit den Augen rollend: Das sind keine Grashüpfer, dass sind  Garnelen!

Hausi: Essbar?

Antwort bekam ich keine, aber man wird doch mal  fragen dürfen?
Woher sollte ich damals wissen, dass es sich hier um  Kaisergarnelen handelte. Es waren schon harte Zeiten. Wie oft stand ich noch  Monate später beim Händler, der deutet auf ein Becken mit vielen verschiedenen  Fischen darin, wovon er mir einen erklärte. Ich dann zustimmend nickend.Ja ja,  ich sehe es genau so ,aber keine Ahnung hatte, was er meinte.


Plötzlich  sah ich einen Mann und dachte er wäre gestürzt oder zumindest auf die Knie  gefallen. Da bei mir sofort der Samariter durchbricht, wenn ich jemand auf den  Knien sehe, Ihr kennt den Grund ja aus dem ersten Teil der Geschichte, beeilte  ich mich zu ihm zu kommen um ihm aufzuhelfen. An der kleinen Verkaufstheke  angekommen, erkannte ich meinen Irrtum: Er stand schon! Nein, er war nicht  kleinwüchsig, er war eben nur.... nicht so groß. OK! Das war Berti Vogts auch  nicht und der war ja irgendwie auch ein ganz großer.


Wie ich dann  schnell herausbekam, war es der Chef von dem Laden und damit er meinen  Rettungsversuch nicht übel nahm, sagte ich mit einen absichernden Blick auf die  Einsturz gefährdete Decke: Schönen Laden haben sie hier.
Er musterte mich  kurz, sagte aber nichts. Irgendwie hatte ich das Gefühl durchschaut zu werden,  aber bevor es noch peinlicher wurde ergriff Petra das Wort:
Sagen sie mal  bitte, ich hab gelesen, dass es jetzt auch Nano -Aquarien gibt und wollte mich  erst einmal erkundigen, was ich dafür so alles brauche und was man so etwa  ausgeben muss.


Der mit dem schönen Geschäft, ich hätte nie gedacht,  dass er noch kleiner werden könnte, ...., ging aber! Ein Hustenanfall, er hatte  sich wohl verschluckt, krümmte ihn heftig zusammen, gleichzeitig bekam sein  Gesicht einen Farbschlag den man auf einer Tabelle für Wandfarben und Lacke  irgendwo zwischen RAL 3002 und RAL 3011 eingeordnet hätte.


Nach dem  er sich dann erholt hatte und mit tränenden Augen vor uns stand, (wie kann sich  nur jemand so freuen uns zu sehen, dass er sogar weinen muss, dachte ich)  konnten wir zu unserer Erleichterung feststellen: Er kann sprechen!
Chef:  Wie? Was heißt denn bei Ihnen Nano ?

Petra: Na gesehen hab ich eins, dass hat  18 Liter, so mit einer kleinen Lampe drin, was brauch ich dazu noch, damit das  vernünftig läuft?


Nun fing er doch tatsächlich schon wieder an zu  weinen!
Nur dieses Mal begleitet von Lachkrämpfen. Ich dachte noch: Was hat  er? Petra hat den Witz ja noch nicht einmal zu Ende erzählt, da fehlt doch noch  die Pointe. Oder hab ich den nur nicht verstanden, aber er kennt ihn schon?
20 Minuten später. Die von Petra angeboten Taschentücher wollte er nicht, er  meinte er könne ja in Aquarium heulen, ist ja Salzwasser. Na, na Freunde, bei  der Tränenflut, dass kann ich heute behaupten, wäre die Dichte aber kräftig hoch  gegangen.


Chef: Also für solche Nano Becken hab ich gar nichts da,  so was hat auch keinen Zweck. Erstens kann man da gar nichts drin halten und  zweitens ist das viel zu schwierig und drittens für Anfänger sowieso.
Petra: Aber im Internet, im Forum hab ich da schon gelesen das es möglich ist und  einige das auch haben.

Chef: Im Internet, so, so,na da wird ja viel  geschrieben und auch viel Unsinn. Wenn man ein Meerwasser -€ Becken will, dann  braucht man unter 300, besser 500, Liter erst gar nicht anfangen. Ich kann zwar  alles bestellen, mach ich auch, aber das wird nicht gut gehen. So klein sind  nicht mal meine Technikbecken.


Hausi gedanklich: Mist, was ist ein  Technikbecken?


In dieser Situation, war ich der Überzeugung nahe  gekommen. Das war es dann! Wenn schon ein Fachmann das so sagt, dann muss es  Petra ja glauben.
Aber wie gesagt, ich hatte da ja schon einige Warnzeichen  nicht beachtet. Ich hätte es wissen müssen, so leicht gibt sich Petra nicht  geschlagen. Leute, damals hätte ich öfter gerne 3 Kreuze gemacht, wenn sie Ihren  Plan aufgegeben hätte. Wie gerne hätte ich es beim Blasen zählen belassen. Heute  bin ich Ihr dankbar, dass sie sich durchgesetzt hat.


Heute weiß ich  auch, dass der gute Mann aus der Meerwasser - Laden in vielen Dingen recht  gehabt hat, so wie das später auch noch der Fall war.
Nano`s sind im Grunde  nichts für Anfänger, weil sie oft schon durch kleinere Probleme aus Ihrem  Biologischen Gleichgewicht gebracht werden. Hier mangelt es dem Einsteiger  einfach an Erfahrung um zügig die geeigneten Gegenmaßnahmen einzuleiten. Aber in  einigen Dingen in Bezug auf das Thema Nano war seine Meinung eben nicht richtig.  Ein anerkannter Meerwasser-Händler ist er im realen Leben aber ganz sicher.


So war das, mit unserem ersten gemeinsamen Besuch im  Meerwasserhandel.
Lustig, irgendwo spannend, schön, aber für mich auch ein  wenig frustrierend.
Heute, mit Erfahrung und ich weiß nicht wie vielen  Besuchen in diversen Läden, ist die Sichtweise eine andere. Aber es stimmt  schon:


Beim ersten Mal ist alles anders.
.... und wie das so  war mit dem ersten eigenen Meerwasser - Nano - Aquarium und was Schweinenasen  und: soll ich tragen helfen oder:
wie krieg ich jetzt die Hand wieder  raus mit unserer Geschichte zu tun haben, dass erfahrt ihr bei guter Führung das nächste mal.

Kapitel 3: Schweinenasen

Unvermittelt zucken mächtige Blitze durch den tiefschwarzen  Himmel und erhellen gespenstisch die Szene. Der kräftige Wind verursacht ein  stetig auf und ab schwellendes Rauschen in den weit ausladenden Ästen der mehr  als 100 Jahre alten Eiche.


Da .... wieder ein Blitz. und in seinem Schein  zeichnen sich für einen kurzen Moment die Umrisse einer  Gestalt gegen die verwitterte Wand der alten Taverne ab ....Im fahlen Licht einer  rostigen Laterne blitzt kurz etwas auf, ein Arm schnellt in die Höhe, zuckt  wieder nach unten und dann ....ein gellender Schrei lässt das Blut in den Adern  gefrieren:

HAUSIIII . mach jetzt den Fernseher aus, wir wollen  los !!!!

Hätte ich damals eine Vorstellung gehabt, was  Heatpacks sind..... Leute, ich hätte einige davon unter die Arme geklemmt, so  kalt ist es mir dabei über den Rücken gelaufen.
Aber weil es draußen warm  war und wegen der Tatsache, dass inzwischen unsere erstes Meerwasseraquarium  eingetroffen war, konnte ich es gerade noch verkraften das Haus zu verlassen.

Ja das Aquarium.... unbeschreiblich, dass man Geld für ein halbes  Marmeladenglas ausgeben kann und dieses dann auch noch beleuchtet ist...
Meine Oma hat jedenfalls die selbst gemachte Marmelade immer dunkel und kühl  gelagert. Na ja..... die Zeiten ändern sich. Übrigens.... die Beleuchtung,  sehr praktisch in Anbetracht der Tatsache das man eine Ersatzbirne im KFZ Handel  um die Ecke kaufen konnte... Nummernschild-Beleuchtung haben die immer da.

Nun zogen wir also los, denn heute musste unbedingt etwas für das Aqua  angeschafft werden. Allerdings nicht ohne einen besorgten Seitenblick auf Petra,  denn die hatte seit dem sie das Becken ausgepackt hatte nicht nur so einen  fiebrigen Glanz in den Augen, nein, auch an unverständliche Sätze kann ich mich  erinnern. So zum Beispiel an diesen:

Hausi, für das Nano brauchen wir  erst mal lebende Steine.

Lebende Steine???????? Was hatte ich mir  darunter vorzustellen? Haben die Beine? Beißen sie ? Muss man sie füttern, oder  sogar Gassi gehen?

Da war wieder etwas, von dem ich zu der Zeit nicht  das geringste wusste, ich nie geglaubt hätte das es so was gibt, denn von  Meerwasser und seinen Bewohnern wusste ich fast nichts. Viel weiter als über  “Scampi Fritti” vom Italiener, oder Flipper und den weißen Hai, war ich noch  nicht hinausgekommen.
Aber ich war doch schlau genug sehr vorsichtig zu  sein, denn die roten Grashüpfer hatten sich ja auch als Garnelen herausgestellt  und Sie musste ja nicht unbedingt gleich erfahren, dass mir Garnelen auf dem  Teller damals lieber waren.
Insgeheim aber war ich überzeugt, dass mit Petra  in der letzten Zeit eine Verwandlung stattgefunden hatte, sonst würde sie so was  nicht erzählen.
Heute weiß ich, dass es dieser Salzwasser-Virus war, der  auch mich bald erwischen sollte.

Lange Rede kurzer Sinn, plötzlich  standen wir wieder in der Ruine beim Meerwasser-Händler....

Als der uns  zu Gesicht bekam, wusste ich sofort was er dachte. Ich bin sicher das er in dem  Moment überlegt hat ,”gleitende Öffnungszeiten einzuführen.
Und zwar solche,  die es ihm gestatten die Ladentür automatisch zu verriegeln, sobald wir das Auto  vor seinem Laden abgestellt hatten.

Seit ich das gespürt hatte, parkten  wir immer eine Querstraße weiter um uns dann, jede Deckung ausnutzend,  anzuschleichen.
Schwierig wurde es immer am Fußgängerübergang vor dem  Geschäft. Denn um sich während der Grünphase über die Straße zu robben, muss man  ganz schön Gas geben.

Nun standen wir also wieder vor dem Mann, von dem  ich nicht wusste ob er zwischendurch wächst, aber dann wieder zusammenschrumpft.  Deswegen nenne ich ihn von jetzt an:

“ Unbekannte Größe “.

Folgender Dialog  entwickelte sich aus der Situation:

Petra: Guten Tag,  ich brauche für unser Aquarium Lebende Steine.
Jetzt wurde der Mann wieder  größer.... ich sach es ja..
Unbekannte Größe: Ja hab ich,  wie viel denn?
Petra: Na so einen
wobei sie mit den  Händen etwa die Größe einer Packung Knäckebrot andeutete
Jetzt wurde der  Mann wieder kleiner.... da haben wir`s..
Unbekannte Größe: Arrrghh.... im Keller hinten rechts.

Peng!!!
Ich habs gewusst:  Lebende Steine sind gefährlich!
Warum sonst sollte der Mann die Steine im  Keller einsperren? Das macht man doch nicht von ungefähr, so ganz ohne Grund!  Nee, nee so schnell legt man den Hausi nicht rein... ich bleib hier oben im  Laden....

Plötzlich war aber Petra verschwunden, hatte sich Todes mutig  die Treppe herunter gestürzt. Oh Mann... es blieb einen nichts erspart... also  hinterher und auf das schlimmste gefasst sein.


Im Keller angekommen  war ich erst einmal überrascht von der soliden baulichen Substanz. Hier lag die  Vermutung nah, dass es sich um einen ehemaligen Luftschutzbunker handeln musste.
Auch hier lauter Aquarien, in denen es aber völlig anders aussah wie oben in  der Baracke. Vor allem war es für mich neu, dass man Blumenkohl unter Wasser  züchten kann. O.K...... Heute weiß ich es waren Weichkorallen, aber damals.....
Petra fand ich ich inzwischen, andächtig vor einem Becken hockend, in einer  Ecke wieder. Sie hatte das Knäckebrot schon gefunden.... sorry.... den passenden  lebenden Stein.
Von Leben allerdings keine Spur... bewegungslos lag der  Klumpen im Wasser, rührte sich kein bisschen. Von meinen Bedenken, dass er  längst ertrunken wäre, wollte Petra allerdings nichts wissen. Auch mein Einwand,  dass der Stein völlig krumm und voller Löcher ist, und ob es nicht besser wäre,  einfach einen Ziegelstein zu versenken, fand wenig Anklang.
Im Gegenteil,  der Moment war gekommen, wo es besser war zu schweigen.

Das tat ich dann  auch noch lange nach dem wir den Laden verlassen hatten.
Grund war der  Preis, den Petra ohne zu zucken für den Brocken bezahlt hatte, den nach meiner  Meinung Ende Mai 1945 eine Trümmerfrau nach Ende der Bombardierungen in den  Luftschutzbunker geworfen hatte.
Warum um Himmels willen sollte ein alter  Stein sonst so viel kosten, wenn er nicht ein historisches Fundstück ist?

Überhaupt, die Preise! Ich weiß nicht mehr wie lange es gedauert hat,  bis ich die Preise für alles was mit dem Meerwasser-Hobby zu tun hatte,  akzeptieren konnte. Zumal ich auch ständig mit der Angst leben musste, dass  diese Mehrausgaben am Etat für die Bevorratung meiner Schweineschnitzel  eingespart werden könnten.
Ich glaube besser geworden ist es erst mit der  Einführung des Euro, als plötzlich alles um fast die Hälfte billiger wurde. Zu  meinem Entzücken also auch die Schnitzel......

Anderes  Szenario:

Ein Aquarium, unten Korallenbruch, ein angeblich  lebender Stein, darüber eine
schummrige Beleuchtung.
Auf dem Stein 2 Flohgrebse,  die sich zwar erst kurze Zeit kannten, aber jeden Abend zusammen kamen um ein  Schwätzchen zu halten. Eines Abends wurde
ihre Kommunikation allerdings  unterbrochen:

Ey Alter...
 was ist?
hast Du das gesehen?
 was ? 
da draußen sind Schweine !
 wie Schweine ?
ja, ja  schau doch mal, die hängen direkt vor der Scheibe.
 man ich glaub`s nicht,  Du hast recht.

und er hatte Recht!
So oder so ähnlich muss es für  die Beiden ausgesehen haben, als wir angefangen haben uns die Nasen an der  Scheibe platt zu drücken.
4 riesige Löcher mit Fleischrand, Schweinenasen  eben, flach gedrückt an einer Scheibe die etwa die Größe hatte wie die  Titelseite einer Fernsehzeitung.
Und das, man beachte unser akrobatisches  Geschick, auch noch gleichzeitig.

Das ganze hatte aber auch einen Grund,  den gleichzeitig zum Dialog der beiden Kleinkrebse, fand auf an der Außenseite  der Scheibe folgendes Gespräch statt:

Ey Hausi.
 was ist?
hast Du das gesehen?
 was ?
da drinnen sind Flöhe!
 wie  Flöhe
ja schau doch mal, die hängen direkt vor der Scheibe.
 man ich  glaub`s nicht, Du hast recht.

So kam es zur ersten Begegnung zwischen 2 Flohkrebsen  und 2 Schweinen (hahahaha) in und an unserem ersten Meerwasseraquarium.
Das  platt drücken unserer Nasen fand seit diesem Erlebnis mehrfach am Tag statt. Mit  einem Unterschied:
Die beiden Kleinen auf der anderen Seite, in ihrer  eigenen Welt, verloren bald ihr Interesse. Wir sind aber bis zum zum heutigen  Tage dabei geblieben und werden es wohl auch noch ein Weilchen bleiben. Denn es  gibt immer wieder neue Lebewesen zu entdecken, wofür es sich jedes mal lohnt die  Nasen platt zu drücken.
Glücklicher Weise haben wir heute mehr Platz an der  Scheibe. Falls uns mal jemand besuchen will, wir haben Platz für 6 bis 8  Schwei..... sorry... Nasen, gleichzeitig.

In dem Sinne

Euer  Hausi