Neustart des Ostseeaquariums.

 

Der Neustart des Ostseeaquariums hat sich durch eine Vielzahl von Umbauten erheblich verzögert. Doch nach meinen bisherigen Erfahrungen waren all diese Dinge erforderlich, um die Tierpflege zu optimieren und auch gestalterische Maßnahmen sollen ein wenig Werbung für diese Art der Aquaristik machen.

Nun endlich ist es soweit und der neue Besatz wird Einzug halten. Viele der gesuchten Pflanzen und Tiere sind dabei und auch wenn nicht alle meine Wünsche in Erfüllung gehen, gibt es genügend Dinge zu beobachten, an denen ich Sie teilhaben lassen möchte, in der Hoffnung, diese Form der Aquaristik für Sie populär zu machen.

Wer einmal in der Wismarbucht unter Wasser die Natur betrachten konnte, wird mir sicher zustimmen, dass es sich um eine phantastische Tier- und Pflanzenwelt handelt, die aus aquaristischer Sicht keineswegs erschlossen ist. Selbst in namhaften Schauaquarien ist die Kultur der heimischen Unterwasserflora eine Herausforderung und darum nur sehr selten zu sehen. Wir Aquarianer können uns also durchaus noch Sporen verdienen!

Mit meinen Freunden ist das erste Septemberwochenende jedes Jahr fest eingeplant für eine Exkursion nach Timmendorf auf der schönen Insel Poel.                           Hier fand dieses Jahr das 47. Treffen der Meerwasser Aquarianer aus der ehemaligen DDR statt, eine sehr schöne Tradition und Höhepunkt unserer Fachgruppenarbeit, bei der wir auch internationale Gäste begrüßen konnten.                                          Der Fang von Tieren aus dem Seegras- und Uferbereich und die statistische
Auswertung der Tierfänge sind langjähriger Bestandteil der Exkursion und durch zahlreiche Veröffentlichungen dokumentiert worden.

Irgendwann hatte mich der Ostseevirus gepackt und die intensive Beschäftigung mit diesen Lebewesen wurde für mein Hobby bestimmend. Und ich kann Ihnen versichern, bisher keine langweilige Stunden damit verbracht zu haben.

Wie fängt man eigentlich Tiere, ohne den Kopf unter Wasser zu nehmen?

Nun, ich benutze dazu ein Werkzeug, dass man Dredge nennt. Das ist ein etwa 3-4 Meter langes Netz, welches durch einen Stahlrahmen eine große Öffnung hat und mit einer Zugleine durch das Seegras gezogen wird.                                              Durch die große Länge des Netzes ist der Staudruck recht niedrig und die gefangenen Tiere werden kaum beschädigt. An Land werden dann die Tiere selektiert.            Dass man nur das mitnimmt, was nötig ist, sollte selbstverständlich sein, auch wenn ein reichlicher Fang dazu verleitet, viele Tiere mitzunehmen. Die Transportbehälter werden über Nacht belüftet, die Tiere aber nicht mehr gefüttert, um Stress und Wasserbelastung so gering wie möglich zu halten.                                              Ein Wasserwechsel erfolgt dann kurz vor Abreise und einige Liter frisch             entnommenes Ostseewasser werden für das Aquarium zusätzlich transportiert.       Im Naturwasser befinden sich Hefen, Pilze und Bakterien, die dem Aquarium zugeführt werden müssen und für die wir in dieser Form keine Alternative bieten können.                                                                                                                                                                                                                               Auch tropische Aquarien vertragen durchaus eine kräftige Gabe Ostseewasser.        Sie werden über die positive Wirkung auf alle Tiere des Aquariums überrascht sein, nach meinen Erfahrungen kann ich das nur empfehlen.

Für die Seegräser erfolgt zusätzlich eine Entnahme des Bodengrundes in der die Rhizome verankert sind. Dieses Material transportiere ich separat in einer kleinen Thermoskanne um ein Absterben der darin siedelnden Organismen zu verhindern. Temperaturbegrenzung und Zeit bis zum Einbringen in das Aquarium sind entscheidend für den Erfolg, so dass dieses Material erst kurz vor Abreise entnommen wird.                                                                                                        Einiges an Wildplankton transportiere ich ebenfalls in kleineren Thermosbehältern. Diese Futtertiere kommen allerdings zunächst in Quarantäne, da sie als Krankheitsüberträger gefährlich sein können.                                                      Auch hier muss eine Selektion erfolgen um den Fischen nicht zu schaden oder gewünschte Planktontiere durch Fressfeinde auszurotten.                                     Die Ernährung des Zooplanktons ist mit Phytoplanktonkonzentraten und tropischen Phytoplankton sehr gut möglich. Weitere wichtige Tiere für das Aquarium werden aus dem Sand ausgesiebt und kleines Gestein mit Aufwuchs wie Seescheiden, Seepocken, Muscheln, Schwämmen und Algen wird für das Aquarium ausgesucht.

Viele Tiere sind in der Ostsee in jedem Jahr nachweisbar, einige Tiere jedoch findet man nur gelegentlich. So muss bei jeder Fangaktion auch ein bisschen Glück sein, seine Wunschtiere aufzufinden. Über einen kleinen Butterfisch oder eine Aalmutter würde ich mich besonders freuen, da das Aquarium auch für solche Tiere gezielt ausgerichtet wurde.                                                                                    Vielleicht ist ein Fang mit Handkescher erforderlich oder ein Nachttauchfang…

Eventuell spreche ich auch mit den Fischern im Ort, um etwas vom Beifang zu erwerben. Dazu gehören zum Beispiel die ansprechend und variabel gefärbten Seesterne, die man mit lebenden Miesmuscheln ernähren kann.                            Der Lebensmittelhandel hat sie regelmäßig im Angebot.                                      Mit etwas Glück erwerbe ich so vielleicht auch Aktinien, denn auf den Muschelschalen von Austern und Miesmuscheln findet man oft kleinste Tiere, die für das Aquarium sehr gut geeignet sind!

Algen werden im Salzhaff, in der Wohlenberger Wiek und am Kliff der Insel Poel gesammelt. Es sind flache und teilweise recht steinige Areale. Hier findet man die Epiphyten, die auf diese Substrate angewiesen sind und sehr viel Licht benötigen. Meersalat, Rosshaaralge, Rotalgen, Tange, all das möchte ich in das Aquarium einbringen.                                                                                                   Auch die Armleuchteralgen sind begehrte Objekte. Nur sie sind kaum noch aufzufinden.                                                                                                    Ich kann mich entsinnen, als Kind diese Algen in dichten Rasen wachsend zu sehen. Sie sind heute sehr selten geworden und gelten als sehr stark bedrohte Gattung!

Worauf ist besonders zu achten, wenn man Algen pflegen möchte?

Im Vorfeld sind die Methoden der Entnahme und der Transport über Erfolg oder Versagen von Algenkulturen entscheidend. Das allerwichtigste ist das Vermeiden von mechanischen Beschädigungen, denn das ist der beste Nährboden für Mikroben.  Somit sucht man sich möglichst kleine Exemplare und transportiert sie mit ihrem Substrat.

Ein ganz besonders wichtiger Punkt ist dabei die Vermeidung von Temperaturschwankungen bis zum Einsetzen in das Aquarium. Steigt während des Transportes die Temperatur auf Werte über 20°C, erhalten sich zwar die Thalli, sie bilden dennoch kurz darauf irreparable Nekrosen durch die während der Wärmephase zwischen die Zelllagen eingedrungenen Bakterien.                                             Das alles hat Konsequenzen auf die Transportmethode. Styroporkisten, Eisbeutel, Thermosbehälter und gut gepolsterte Tüten sind die dafür geeigneten Transportgefäße.                                                                                             Im Aquarium sind Algen auch bei höheren Temperaturen durchaus lebensfähig, wenn die Anpassung über einen längeren Zeitraum geschieht und die Keimzahl im Aquarium auf einem niedrigen Niveau gehalten wird.                                                         Ich halte aus diesem Grund für die Algenkultur von Beginn an die UV-C   Wasserbehandlung für ausgesprochen sinnvoll.

In einem Aquarium sind die Nährstoffe recht schnell erschöpft und hier ist schon vor dem Besatz für gute Startbedingungen zu sorgen. So benutze ich für die Mineralstoffversorgung Heilerde aus der Drogerie. Das ist staubfein gemahlenes vulkanisches Gestein und eine größere Menge davon ist im Bodengrund eingearbeitet. Eine Nachversorgung ist durch Aufstreuen auf die Wasseroberfläche einfach möglich.                                                                                                                         In ganz kurzer Zeit beginnt die Besiedlung durch Epiphyten und Nährstoffe für Algen und Seegräser werden schnell limitiert.                                                     Erkennbare Stagnation des Wachstums muss dann durch Düngung mit Algendünger (z.B. F/2), Einsatz von Spurenelementen, Eisen, Jod, Vitaminen (B1, B6 und besonders B12), Aminosäuren und eventuell durch vorsichtige CO² Zufuhr begegnet werden.

So wie für die Algen die Transportbedingungen wichtig sind, sind sie es natürlich auch für die Tiere. Um lebensbedrohende Schockzustände zu vermeiden, lege ich Wert auf eine gute Belüftung, ausreichend Platz, sparsamen Besatz und langsame Anpassung an die Verhältnisse im Aquarium. Bei langsamer Anpassung vertragen viele Ostseetiere höhere Temperaturen und auch gegenüber den natürlichen Gegebenheiten abweichende Salinität recht gut, vorausgesetzt, die Sauerstoffsättigung ist immer gegeben.                                                                                                 Wichtig dagegen ist die Temperaturabsenkung in den Wintermonaten und das ist in einer Neubauwohnung bisweilen etwas knifflig ohne größeren technischen Aufwand umzusetzen.

Meine bisherigen Erfahrungen sind durchaus positiv, auch wenn die verwendete Technik bei niedrigen Temperaturen trotz regelmäßiger Wartung höherem Verschleiß unterliegt. Im Zootierhandel ist eine genügend große Palette an Lebendfutter vorhanden und bis zum Beginn der kalten Jahreszeit habe ich ausreichend Futtertiere vorrätig, um die Tiere vernünftig zu ernähren. Bis zu diesem Zeitpunkt ist auch das Ostseeplankton soweit vermehrt, dass für eine längere Zeit diese Futtermittel im Winter zur Verfügung stehen.

Doch mit dem Algen- und Seegras Wachstum steht und fällt die erfolgreiche Haltung aller Fische, denn die Pflanzen sind mehr als Dekoration.                                       Sie sind der wichtigste Bestandteil des biologischen Zusammenspiels aller Komponenten im Lebensraum. Neben ihren positiven Eigenschaften als Siedlungssubstrat, Nahrung, Deckungsmöglichkeit und dekorativer Wirkung sorgen sie in erster Linie durch ihren Stoffwechsel für Unterdrückung von Bakterienvermehrung, einer Sauerstoffanreicherung, der Vitaminisierung, Chelatbildung und Nährstoffaufnahme für ein positives Lebensmilieu der Bewohner des Aquariums.

Gelingt eine erfolgreiche Pflanzenpflege nicht, haben die Tiere wesentlich schlechtere Voraussetzungen für das Leben im Aquarium und der Pflegeaufwand für Wasseraufbereitung ist erheblich größer. Für die Beurteilung des Milieus im Aquarium sind Algen hervorragende Zeigeorganismen. Lange bevor unsere Testreagenzien eine Veränderung anzeigen, reagieren Algen auf veränderte Lebensbedingungen. Das trifft übrigens auch auf die Schmieralgen zu.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor, ist eine gezielte und optimierte Wasserbewegung, um die Stagnation der Nährstoffversorgung zu vermeiden und einen
Abtransport der Stoffwechselprodukte möglich zu machen.                                    Im Vorfeld habe ich dafür sehr viel Aufwand betrieben, denn die Pflanzen- und besonders die Seegräser dürfen sich nicht verheddern. Größere Pflanzen behindern eine Wasserbewegung stark.                                                                           Hier ist die Wasserbewegung mit Turbellen vom Beckenrand äußerst ungünstig gestaltbar. Die damit erzeugte Strömungskeule ist für dieses Aquarium nicht  geeignet, eine Wasserbewegung aufzubauen.

Wie Sie aus den Sandbettaquarien das Verdriften des Bodengrundes kennen, ist auch das für mein Aquarium eine Herausforderung an die Gestaltung der Wasserbewegung.
Letztendlich soll auch für den Betrachter eine sanfte, großflächige Dünungsbewegung den Eindruck der Seegraszone vermitteln.

Es gibt in der Ostsee viele Organismen, die große Probleme bei der Veränderung mit ihrer Umwelt haben. Ich möchte aus diesem Grund ein Beispiel vor Augen führen, die Kopenhagener Herzmuschel.                                                                         Diese Muschel gräbt sich nicht in Sand ein, wie es viele Muscheln tun, sondern sie befestigt sich in den Blättern des Seegrases. Zerstören wir die Seegraswiesen, vernichten wir auch Lebensraum für dieses Tier. Sie ist an sich schon in nur geringen Bestandsdichten zu finden und oftmals nicht als äußerst bedrohte Tierart bekannt.

Einer der Gründe, warum man in Nationalparks keine Tiere oder Pflanzen entnimmt, sind solche Raritäten. Insgesamt ist die Ostsee in ihrer Biologie als sehr empfindlich einzuschätzen.

Die Wismarbucht gehört zu den nicht ganz so unter Schutz gestellten Biotopen. Viele Tiere finden hier die östliche Verbreitungsgrenze ihres Vorkommens. Ich möchte dennoch an dieser Stelle auf die Bestimmungen des Naturschutzes hinweisen, auch wenn wir mit unseren Handkeschern wohl kaum die Biologie zerstören werden. Wenn Sie sich für Ostseetiere und Pflanzen interessieren und gute Informationen zu ihrem Vorkommen suchen, werden Sie in der Literaturreihe „Meer und Museum“ des Meeremuseum Stralsund fündig, die ich als lesenswerte Literatur empfehlen möchte.

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Ein Sammelort für Makrophyten ist am Kliff der Insel Poel. In diesem seichten Areal finde ich die bevorzugten Arten für mein Aquarium. Die Artenfülle und Bestandsdichte nimmt in stark strukturierten Substraten enorm zu. Leider war dieses Jahr durch sehr starken Wind dieses Gebiet lange Zeit der Trockenheit ausgesetzt und viele Pflanzen vertrockneten.                                                                                                  Für das Aquarium waren sie bis auf den Blasentang nicht verwendbar. Bei den gesammelten Exemplaren ist der Erfolg der Kultur ungewiss, vielleicht gelingt es, die Sporen dieser Algen zu neuen Pflanzen zu kultivieren.

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So hatte ich nur wenig Material für das Aquarium. Das traf auch auf Muscheln, Schnecken, Garnelen und Fische zu. Diese flache Stelle an der ich hier stehe, kann durchaus mit wesentlich höherem Wasserstand bedeckt sein. Das Kliff zeigt Spuren der Abrasion durch Wellenbewegungen und Frostaufbrüche.

In das vorbereitete Aquarium sind die Pflanzen und Tiere eingezogen. Die Gesamtansicht zeigt die Aufteilung in Seegras- und Makrophyten Teil des Aquariums. Die Aquabee 2000 schafft im Seegras einen starken Wasseraustausch und wie man sieht, gibt es keinen Fitz. Auf dem Tang sind kleinste Verzweigungen erschienen, so dass ich Hoffnung habe, diese Pflanzen zu erhalten. Doch ich möchte nicht voreilig sein.

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Im rechten Teil ist eine Grünalge eingebracht. Deutlich sichtbar sind die ausgebleichten Stellen die durch die vorangegangene Trockenheit. Dennoch habe ich sie im Aquarium belassen in der Hoffnung, ihre Sporen verteilen sich und führen zu einer Neubesiedelung.

Bei aufkommendem Pflanzenwuchs war ich in der Vergangenheit immer ein wenig voreilig mit den Erfolgsaussichten. Hier habe ich für eine Kultur der Pflanzen viel lernen müssen und ob ich die richtigen Schlüsse gezogen habe, werde ich erst nach einer gewissen Zeit beurteilen können.

Besatz.

Die Stichlinge stammen nur zum Teil aus der diesjährigen Fangreise, einige habe ich aus meinen bestehenden Aquarien dazugesetzt. Somit habe ich auch von der Altersstruktur eine gut gemischte Truppe, um im Frühjahr die Aggressionen der geschlechtsreifen Männchen in Grenzen zu halten.

Insgesamt sind die Fische im neuen Aquarium fast gar nicht schreckhaft wenn ich den Raum betrete im Gegensatz zu den bisher betriebenen Aquarien. Auch die Aggressionen zwischen den Tieren konnte ich nicht beobachten.

Bei den niederen Tieren wie die das Substrat besiedelnden Copepoden besteht dagegen hoher Bedarf. Aus Zeitgründen war mir ein Fang dieses Jahr leider nicht möglich. Ich möchte darum Anfang nächster Woche Tigriopus californicus dazusetzen. Dieser stammt zwar aus den Kalifornischen Küstengewässern, aber diese Tiere sind bekanntermaßen stark anpassungsfähig.                                                              Sie sollen die Pflanzen besiedeln und dort aufkommende Bakterien fressen, so wie in der heimischen Pflanzenwelt das die Copepoden, Isopoden und Asseln tun. In alten Fachzeitschriften wurde empfohlen alle aufsitzenden Tiere peinlichst zu entfernen.

Nun, heute wissen wir, dass diese Tiere eine wichtige Funktion erfüllen.                  Die Seegräser sind regelrecht darauf angewiesen. Selbst wenn die Pflanzen unter gelegentlichem, teilweisen Fraß leiden, ist der Vorteil immer noch größer als unter Epiphyten zu ersticken. So sollten wir auf den Erhalt und die Artenvielfalt dieser Organismen besonders achten. Sie sorgen zudem noch dafür, dass das Phytoplankton dezimiert wird und die Seegräser und andere Pflanzen können darum gut gedeihen.

Unter der Voraussetzung einer geringen Eutrophierung funktioniert das in der Natur, im Aquarium müssen wir selbstverständlich auf eine exzellente Wasserpflege achten. Eine sehr starke Strukturierung durch Substrate, besonders durch Algen und Tange sorgen für die Lebensgrundlage der Kleinstlebewelt und das wirkt sich wiederum auf das Gedeihen der Makrophyten positiv aus.

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Das Seegras ist dicht von verschiedenen Tieren besiedelt.

 

Zusätzlich sind sie natürlich für die Fische eine gute Nahrungsquelle. Die Nachzucht von Copepoden ist recht einfach, so dass dezimierte Bestände recht schnell ersetzbar sind. Die thermische Isolation des Aquariums bewährt sich gut. Bei Außentemperaturen von bis 25°C und durch die Oberflächenbelüftung habe ich die Wassertemperatur in einem Bereich zwischen 17 und 18°C halten können. Temperaturschwankungen laufen viel sanfter ab und das ist für die Tiere verträglicher als in den vorher betriebenen Aquarien. Für Aktinien reicht das natürlich noch nicht aus, hier muss die Temperatur auf etwa 15°C gehalten werden. Vorläufig muss ich mir darüber noch keine Gedanken machen.

Als einen besonders interessanten Bewohner des Aquariums möchte ich hier die Seezunge erwähnen. Sie ist zwar noch klein mit 4 cm, doch das ändert sich bekanntermaßen recht schnell. Dieses Tier ist wirklich sehr aktiv und schwimmt gelegentlich auch frei im Aquarium. Darüber freue ich mich sehr, denn diese Tiere sind im Gegensatz zu anderen Plattfischen als sehr viel scheuer beschrieben und sie bevorzugen eine viel stärkere Deckung

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Die Seezunge Solea solea

 

Auf der gut gereinigten Scheibe erkennt man gleichzeitig die weiße Unterseite des Tieres und den guten Ernährungszustand. Sie wird schon während der Dunkelheit im Aquarium gefüttert, ohne durch die Konkurrenz anderer Beckenbewohner bedrängt zu werden.

Aber auch andere Bodenfische habe ich eingesetzt. Die Grundeln der Ostsee sind trotz ihrer wenig auffälligen Färbung dennoch sehr ansprechende Tiere. Leider habe ich nicht genügend Muschelschalen um ihren Laichgepflogenheiten entgegenzukommen. Hier suche ich noch nach einer guten Alternative.

Wenn sie ihre Brut in einer Muschelschale pflegen, ist der Bruttrieb so stark, dass man das Gelege und das Tier in ein anderes Aquarium setzen kann ohne Angst zu haben, dass sie das Gelege aufgeben! Auch die durch Strömung verwirbelten Muschelschalen werden immer wieder in die erforderliche geschützte Lage zurückgedreht. Eine erstaunliche Leistung für solch ein kleines Tier!

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Der Strandkühling Pomatoschistus microps

 

Beim Aufstellen der Rückenflosse wird ein kleiner Signalfleck sichtbar. Sehr flink erbeuten sie ihre Nahrung, die sie in einem Sprung von etwa Körperlänge mit ihrem recht großen Maul erbeuten. Sie sind die einzigen Fische, die Futtergranulate aufnehmen und nur noch die Garnelen sind mit gelegentlich gereichtem Trockenfutter zu ernähren.

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Die Garnele Palaemon squilla

 

Die Garnelen schwimmen bisweilen frei im Aquarium. Sie sind durchaus ansprechend gefärbt und einige Arten erreichen eine beträchtliche Größe. Sie sind untereinander nicht sehr aggressiv, kleine Rangeleien sind natürlich zu beobachten und bleiben in der Regel ohne Folgen für die Tiere.

Es gibt bei den größeren Arten Tiere, die nach meinem Eindruck recht Standort treu erscheinen, da sie nach der Nahrungsaufnahme genau diese Stelle gezielt wieder aufsuchen. Sind sie auch territorial? Das kann ich nicht beurteilen da ich von dieser Art (Palaemon squilla) nicht genügend Tiere erbeuten konnte.

Die Ernährung der Seenadeln und Seestichlinge macht mir im Moment noch etwas Kopfzerbrechen. Außer calanoiden Copepoden fressen sie kaum anderes Futter. Ich habe heute adulte Artemia verfüttert, doch dieses Futter haben sie noch nicht so richtig angenommen. Dabei habe ich mir viel Mühe mit der Artemia Ernährung gegeben. Extra noch mal eine Portion Phytoplankton gereicht, damit sie den Fischen die Algennahrung übergeben.

Fische, die offensichtlich Fleischfresser sind, benötigen Algen für ausgewogene Ernährung, dargereicht durch die Futtertiere, die sie aufgenommen haben. Dieser vorverdaute Nahrungsbrei wird mit Enzymen, Bakterien und weiteren Stoffen angereichert und konzentriert. Selbst gonadotrophe Prozesse der Fische sind von der Nahrung abhängig und das Problem bei dem Versuch, Seewasserfische zu züchten.

Die Schwimmbewegungen der Artemia fördern bei den Seenadeln den Fressreiz nicht so richtig. Da müssen die Fische erst noch lernen! Ich werde es mit Nauplien erneut versuchen und auch mit einer höheren Futterdichte. Vorher sind natürlich die verfressenen Stichlinge extra zu füttern. Man müsste einen Futterautomat für Lebendfutter erfinden, der ausschließlich für die Seenadeln Futter zugängig macht…

Die Fütterung ist somit eines der größeren Probleme einiger Fische unserer Heimatgewässer. Übrigens Frostfutter verwende ich nicht. Es wird nicht angenommen und stellt zudem einen großen Bakterienherd dar, der in einem Ostseeaquarium fatale Folgen haben kann. Die Qualität des Frostfutters ist bisweilen recht zweifelhaft und lässt oftmals zu wünschen übrig. Ich kann nicht so richtig nachvollziehen, worin in manchem Futter der Nährwert besteht, abgesehen davon wie das Futter behandelt wird bevor es im Aquarium ankommt.

Aber auch Lebendfutter kann Krankheiten übertragen. Oftmals sind Copepoden Zwischenwirt von Parasiten, die sich dann in den Fischen weiterentwickeln. Wird solch ein kranker Fisch von einem Vogel gefressen, kommt die Entwicklung der Parasiten zum Abschluss und mit dem Kot der Vögel verbreiten sich die Geschlechtsprodukte der Parasiten. Diese werden wiederum von den Copepoden gefressen und der Kreislauf beginnt von vorn. Somit hat man bei Wildplankton eine gewisse Quarantänezeit einzuhalten. Es kommen als Zwischenwirte auch viele Schnecken in Frage. Diese müssen nicht unbedingt von den Fischen gefressen werden, denn einige Parasiten bilden nach Verlassen der Schnecken ein Schwärmer Stadium und befallen aus eigenem Antrieb die Fische.

Auch ich habe dieses Jahr ausgesprochenes Pech und werde meine Fische verlieren, denn mit dem Neueinrichten des Aquariums habe ich viele Schnecken eingesetzt…

Um das zukünftig zu unterbinden, wird bei einer Neueinrichtung das Aquarium in mehreren Etappen eingerichtet. Zunächst Pflanzen und niedere Tiere und als zweiten Schritt Fische nach einer gewissen Wartezeit, um die Entwicklung von Parasiten zu unterbrechen.

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Dieser Stichling ist von einem Trematoden befallen, nach meiner Ansicht Diplostonum spathaceum. Der Besatz des Aquariums wird wohl nicht zu retten sein. Strengste Hygiene und Desinfizierung der Arbeitsgeräte und Hände des Aquarianers sind bei solchen Vorkommnissen Pflicht! Leider ist in solch einem Stadium der Krankheitserreger nicht behandelbar und mit dem Gesamtverlust der Fische ist zu rechnen.

Die Ernährung mit Trockenfutter ist leider nur bei wenigen Fischen möglich und so sind Futterzucht und Kauf von Lebendfutter ein sehr großer finanzieller Aspekt für mein Aquarium, sieht man einmal von den Energiekosten ab, die erheblich über denen eines tropischen Korallenaquariums liegen können. Im Sommer ist das Futter in der Regel kein Problem, aber im Winter ist der Aufwand für Lebendfutter arbeits und kostenintensiv. Aber alles wird durch die herrlichen Tiere und Pflanzen aufgewogen und sie zeigen uns eine einzigartige und mit nichts vergleichbare Welt, die äußerst empfindlich auf Veränderungen und Umweltbeeinträchtigungen reagiert.

In diesem Zusammenhang kann ich nur immer wieder auf die Buchreihe „Meer und Museum“ des Meeresmuseum Stralsund verweisen, in der unsere Heimatgewässer, Biotope, Tiere, Pflanzen sowie Probleme und Lösungsansätze im Erhalt und Renaturierung sehr gut beschrieben werden. Viele Anhaltspunkte kann man für die Haltung im Aquarium entnehmen, auch wenn es keine aquaristische Anleitungen darin gibt. Sie werden noch feststellen, dass die deutsche Literatur nicht mit Informationen zur Aquaristik der heimischen Meere gesegnet ist!

Das trifft beispielsweise auf diese Kalkalge der Ostsee zu, die in meinem Aquarium seit Jahren dieses Gestein besiedelt. Bis heute ist es mir nicht gelungen Informationen dazu in Erfahrung zu bringen.

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Ich hoffe, der kleine Einblick in die fantastische Tier- und Pflanzenwelt unserer Heimat lädt Sie ein, einmal in der Ostsee zu schnorcheln und diese Welt zu beobachten. Unter der Internet Adresse www.fg-meeresbiologie.de finden Sie weitere Anregungen und Informationen zur Aquaristik und der Pflege der heimischen marinen Lebewesen.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Dietmar Schönfelder

Fachgruppe Meeresbiologie Berlin

 

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